Die Sophienkirche und ihre drei starken Frauen

Drei starke Frauen aus der Familie von Haxthausen lernten die gut 70 interessierten Gäste des Geschichtsvereins Nierstein e.V. beim Vortragsabend im Weingut Gustav Strub kennen.

Die Sophienkirche und ihre drei starken Frauen

Dieses Anwesen in der Rheinstraße, das viele nur als traditionelles Weingut kennen und wahrnehmen, war einst die erste evangelisch-lutherische Kirche in Nierstein. Dr. Susanne Bräckelmann, zweite Vorsitzende des Vereins, stellte in einem anregenden und kurzweiligen Vortrag dar, wie es zu dieser Kirchengründung kam. Unter dem Einfluss der Kurfürsten, die sich im Laufe der Zeit wechselnden Konfessionen anschlossen, hatten sich in Nierstein zwei evangelische Bekenntnisse, das lutherische und das reformierte, herausgebildet. Nachdem die Lutheraner zu Beginn des 18. Jahrhunderts kein eigenes Gotteshaus hatten, sich zum Gottesdienst im ehemaligen Rathaus treffen mussten, stiftete Anna Sophia von Haxthausen, Besitzerin des gleichnamigen Hofes in der Langgasse, der Gemeinde zwei Grundstücke in der Rheinstraße. Dort wurde 1729 die neue Kirche errichtet, die man ihr zu Ehren „Sophienkirche“ nannte. Ihre beiden Cousinen Albertina Charlotta und Anna Maria von Haxthausen stifteten das dazugehörige Schulhaus (heute Weinstube) und das benachbarte Pfarrhaus (Rheinstraße 38).

Knapp 100 Jahre blieb diese kleine Kirche bestehen, dann wurde sie im Zuge der Union der beiden evangelischen Kirchen, die in Rheinhessen auf Initiative von neun Geistlichen im Jahr 1822 – also vor genau 200 Jahren – realisiert wurde, wieder aufgegeben und verkauft. Die Grabmäler der Haxthausen-Familie wurden in die Martinskirche gebracht, wo sie – zusammen mit der Grundsteinplatte der Sophienkirche – noch heute im Eingangsturm stehen.

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