Manchmal reicht ein kurzes Telefongespräch, um den Wert der eigenen Arbeit zu spüren. Wenn der Vater eines schwerkranken Kindes nach einem langen Austausch sagt: „Dieses Gespräch hat mir so gutgetan“, weiß Silke Gegenheimer, warum sie ihren Beruf ausübt. Sie ist eine von insgesamt vier Kita-Sozialarbeiterinnen, die in den 13 Kindertagesstätten der Gemeindeübergreifenden Trägerschaft (GüT) des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim ihren Dienst verrichten.
Maßgeschneiderte Hilfe für Familien und Teams
Die Aufgabe der Fachfrauen ist vielfältig: Sie begleiten Kinder und Eltern in schwierigen Lebensphasen und unterstützen die Erzieherinnen und Erzieher. Sie schaffen Bildungs-, Beratungs- und Erlebnisangebote, für die im regulären Betreuungsalltag oft schlichtweg die Zeit fehlt.
„Wir können den Kitas punktgenau anbieten, was gerade gebraucht wird“, erklärt Gegenheimer, die selbst über ein Jahrzehnt lang eine Einrichtung leitete, bevor sie mit 42 Jahren berufsbegleitend Soziale Arbeit studierte. Die 55-Jährige betreut die Kitas in Nierstein, Nieder-Olm, Uelversheim und Eimsheim. An festen Präsenztagen nimmt sie am Kita-Alltag teil, baut Vertrauen zu den Eltern auf und eruiert den individuellen Bedarf der Einrichtungen. So initiierte sie beispielsweise ein Sprachförderprojekt in Nieder-Olm und baut aktuell einen Netzwerktreff für Frauen und Mütter auf.
Orientierung im Behördendschungel
Gegenheimer sieht sich selbst als „Brückenbauerin über die Klippen des Lebens“. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit besteht darin, Familien – insbesondere jene mit Migrationshintergrund – durch den oft komplexen deutschen Bürokratiedschungel zu lotsen. Die ausführliche Erklärung von Anträgen und Verfahren kann im regulären Kita-Betrieb von den Erzieherinnen meist nicht geleistet werden. Stolz berichtet sie von einem Fall, in dem sie durch ein initiiertes Gutachten den Weg eines Kindes an eine Förderschule ebnen konnte. Dort erhält das Kind nun die nötige Zeit zur Entwicklung, um später wieder auf eine Regelschule zurückkehren zu können.
Glaube als Fundament
Angetrieben wird die lebhafte Sozialbetriebswirtin und Sozialarbeiterin von einer tiefen inneren Überzeugung: „Mein Glaube ist die ethische Grundlage meines Handelns.“ Die Kirche ist für sie Heimat und es ist ihr wichtig, dass diese auch weiterhin als Arbeitgeberin im sozialen Bereich auftritt. In einer sich stetig verändernden Gesellschaft ist sie sich sicher: Die Begleitung und Unterstützung, die sie und ihre Kolleginnen leisten, führt zu etwas Gutem und ist heute wichtiger denn je.