Wer ein Familienmitglied oder eine nahestehende Person zu Hause pflegt, übernimmt eine immense Verantwortung und stellt die eigenen Bedürfnisse zumeist weit in den Hintergrund. Um diese oftmals unsichtbare, aber tragende Säule der Gesellschaft in den Mittelpunkt zu rücken, lud der Landkreis Mainz-Bingen anlässlich des Europäischen Tages der pflegenden Angehörigen zu der Informationsveranstaltung „Pflege daheim – nicht allein“ ein.
Fokus auf Sichtbarkeit und Vernetzung
Nach aktuellen Einschätzungen der Verwaltung pflegen im Landkreis Mainz-Bingen rund 4.500 Menschen einen Angehörigen komplett alleine. Kreisbeigeordnete Almut Schultheiß-Lehn betonte in ihrer Eröffnungsrede die Dringlichkeit, diese Menschen sichtbar zu machen und ihnen den Zugang zu Beratung und praktischer Hilfe maßgeblich zu erleichtern: „Pflege darf keine Aufgabe sein, bei der sich Betroffene allein gelassen fühlen.“ Lena Neuberger, Fachbereichsleitung Soziale Sonderaufgaben und Organisatorin der Veranstaltung, betonte zudem, dass Angehörige tagtäglich enorm viel leisten. Das Format solle daher nicht nur über lokale Hilfen informieren, sondern ganz bewusst auch Raum für Begegnung und den persönlichen Erfahrungsaustausch schaffen.
Expertenwissen und „Markt der Möglichkeiten“
Das Programm bot den Gästen vielschichtige Einblicke in die Bewältigung des Pflegealltags. Den Auftakt machten Impulsvorträge von Waltraud Klein (Wir pflegen RLP) über die „leisen Heldinnen und Helden des Alltags“ sowie von Susanne Gambla, die über das barrierefreie und altersgerechte Wohnen informierte. In einem anschließenden Podiumsgespräch tauschten sich Experten aus dem Netzwerk Demenz, der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV), der Rheinhessen-Fachklinik Alzey sowie Vertretern des Heilig-Geist-Hospitals Bingen und der Betreuungsbehörde über zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze aus.
Im Rahmen des begleitenden „Markts der Möglichkeiten“ konnten sich die Besucher direkt vor Ort an Infoständen beraten lassen. Zahlreiche Anlaufstellen – darunter die Malteser, Pflegestützpunkte, das Seniorenbüro Ingelheim, Angehörigengruppen und Fachabteilungen der Kreisverwaltung – standen für individuelle Rückfragen bereit. Die Resonanz des Tages zeigte deutlich auf, dass eine wirksame Entlastung bereits bei der richtigen Information, kleinen Anpassungen im Wohnumfeld und dem Dialog mit Gleichgesinnten beginnt.