Für Julia Freund heißt es bald Koffer packen: Ab dem 1. August 2026 übernimmt die gebürtige Kielerin eine neue Aufgabe als Pfarrerin für deutsche evangelische Christen in Costa Rica, Panama, Nicaragua und Honduras. Derzeit ist die 51-Jährige noch fest in ihren rheinhessischen Arbeitsalltag eingebunden, der Gottesdienste, Seelsorgegespräche und ökumenische Veranstaltungen in der Region umfasst. Dennoch sind die Zeichen des Aufbruchs unübersehbar: Nach der Teilnahme an einem Seminar der Evangelischen Kirche in Deutschland für Auslandspfarrer in Berlin hat sie bereits damit begonnen, in ihrem Büro erste Bücherregale auszuräumen.
Abschied nach 14 Jahren
Der Abschied aus dem rheinhessischen Hügelland fällt der Mutter von drei erwachsenen Kindern nicht leicht. Seit mehr als 14 Jahren arbeitet sie hier als Pfarrerin. Nach ihrem Vikariat in Engelstadt und Bubenheim übernahm sie im Jahr 2014 die Kirchengemeinde in Nieder-Olm. In dieser Zeit hat sie unzählige Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen sowie Andachten gehalten und viele Gemeindemitglieder auf ihrer Lebensreise begleitet. Die große Offenheit und das Vertrauen der Menschen empfand sie dabei stets als ein kostbares Geschenk. Zuletzt lag ihr Fokus, unterstützt durch ihre Kollegin Elke Stein, verstärkt auf der Flüchtlings- und Seniorenarbeit sowie dem Zusammenwachsen der Gemeinden in der Nachbarschaft.
Neue Aufgaben in Mittelamerika
In ihrer neuen Wahlheimat erwartet sie die „Iglesia Luterana de Costa Rica“. Diese kleine Gemeinde mit nur rund 200 Mitgliedern ist eng vernetzt, organisiert und finanziert sich selbst. Leben wird die Pfarrerin künftig im Stadtteil Rohrmoser in San José. Zu ihren neuen Aufgaben gehört dort weit mehr als nur die klassische Gemeindearbeit:
Sie wird das Fach Ethik an der Deutschen Schule in San José unterrichten.
Sie wird regelmäßig auf Seelsorgereisen in die Nachbarländer aufbrechen, um dort Taufen, Trauungen und Konfirmationen zu begleiten.
Trotz der bevorstehenden Herausforderungen blickt sie mit Gelassenheit auf den Wechsel. Dabei inspiriert sie besonders der costa-ricanische Leitspruch „Pura vida“ („So ist das Leben“), der die gelassene und lebensbejahende Haltung vieler Menschen in ihrer neuen Heimat beschreibt. Sie ist überzeugt, dass sie dort gebraucht wird, und fühlt sich von Gott dorthin gerufen.
Wer sich persönlich von Julia Freund verabschieden möchte, hat dazu Ende des Monats die Gelegenheit. Am 28. Juni um 10:30 Uhr wird sie im Rahmen eines Sommerkirchengottesdienstes in der Paulskirche Elsheim offiziell von ihrem Dienst entpflichtet.