Jüdische Sportler bilden eine oft wenig beachtete Opfergruppe der nationalsozialistischen Diktatur. Der Geschichtsverein Nierstein stellte diese Menschen nun in den Mittelpunkt seiner Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag. Im Fokus standen dabei die „Vergessenen Nullfünfer“ – jüdische Mitglieder des FSV Mainz 05, die den Verein in seinen frühen Jahren maßgeblich mitprägten.
Spurensuche in der Vereinsgeschichte Der Referent Nils Friedrich hat die Biografien von zwölf bislang unbekannten jüdischen Mitgliedern erforscht. Mainz 05, einst vom Juden Eugen Salomon gegründet, galt im Volksmund lange als „Judenverein“, bis die Nationalsozialisten 1933 die jüdischen Mitglieder ausschlossen. Friedrich stellte drei Lebenswege detailliert vor:
Siegfried Rosenbusch: Der Fasswein-Küfer und begeisterte Fußballer war fest im Mainzer Vereinsleben und in der Fastnacht verwurzelt. Er wurde nach Piaski deportiert und dort ermordet.
Willi Hirsch: Auch der gelernte Schneider und Fußballspieler fiel dem Holocaust in Piaski zum Opfer.
Emile Salomon: Der Bruder des Vereinsgründers war ein erfolgreicher Leichtathlet. Er konnte über Luxemburg in die USA flüchten, kehrte nach 1945 zurück und betrieb ein Bekleidungsgeschäft, bis er 1975 verstarb.
Mahnung für die Gegenwart Stadtbürgermeister Jochen Schmitt gedachte während der Feierstunde aller Opfer der NS-Willkür. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Hans-Peter Hexemer, verband das Gedenken zudem mit einer Mahnung an die heutige Gesellschaft. Er warnte vor einer KI-gesteuerten Kommerzialisierung der Erinnerungskultur. Laut Hexemer benötige die Gesellschaft weiterhin ein faktenbasiertes und empathisches Gedenken mit „Herz und Verstand“, um die Gräuel der Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.