In den Feldern Rheinhessens, wo die Natur oft unberührt scheint, lauert für viele junge Wildtiere eine unsichtbare Gefahr: die Mähwerke der Landwirtschaft. Jedes Jahr fallen zahlreiche Rehkitze, Junghasen und Bodenbrüter diesen zum Opfer. Doch dank des Engagements des Vereins „Kitzrettung Rheinhessen e.V.“, der Anfang 2023 gegründet wurde, und seiner rund 20 Mitglieder, darunter fünf ausgebildete Drohnenpiloten, wird diesem Leid entgegengewirkt. Die Vorsitzenden Jens Klasen aus Albig und Petra Sander aus Eich koordinieren die Rettungsaktionen, die eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Jägern und freiwilligen Helfern erfordern. Über die Arbeit des Vereins berichtete die Ortsgemeinde Alsheim am 16. Oktober 2026.
Hightech im Morgengrauen: Drohnen im Einsatz
Die Kitzrettung beginnt in den frühen Morgenstunden, wenn die Wiesen noch kühl sind. Sobald Landwirte ihre Mähvorhaben melden, starten die Einsätze. Mithilfe von Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, werden die Flächen systematisch abgesucht. Diese Technologie ermöglicht es, die im hohen Gras versteckten Tiere zuverlässig aufzuspüren. Sobald ein Kitz oder ein anderes Wildtier entdeckt wird, navigiert der Drohnenpilot die Helfer präzise zur Fundstelle. Dort werden die Tiere vorsichtig in mit Gras ausgelegte Körbe gelegt und abgedeckt, um sie vorübergehend in Sicherheit zu bringen. Nach Beendigung der Mäharbeiten werden die geretteten Kitze wieder in ihr ursprüngliches Gebiet zurückgebracht, wo ihre Muttertiere sie bereits aus sicherer Entfernung erwarten.
Instinkt und Herausforderungen
Besonders junge Kitze, die erst wenige Tage alt sind, verlassen sich auf ihren angeborenen Instinkt: Sie drücken sich regungslos ins Gras, anstatt zu fliehen. Dieses Verhalten, das sie normalerweise vor Fressfeinden schützt, wird bei Mäharbeiten zur tödlichen Falle. Ältere Tiere hingegen versuchen zu flüchten, was die Helfer vor zusätzliche Herausforderungen stellt. Ein Einsatz dauert in der Regel etwa vier Stunden. Die Saison der Kitzrettung erstreckt sich von April bis Juni, manchmal auch bis in den Juli hinein. Neben Rehkitzen werden auch andere Wildtiere wie Hasen, Füchse oder Gelege von Bodenbrütern entdeckt und geschützt. Petra Sander betont, dass es vor allem besondere Momente wie die Rettung eines Kitzpärchens sind, die den Einsatz unvergesslich machen. Trotz größter Sorgfalt gibt es keine hundertprozentige Garantie, doch der Einsatz der Drohnentechnik erhöht die Erfolgsquote erheblich.
Gemeinschaft und Unterstützung
Die Kitzrettung funktioniert nur durch gute Kommunikation und die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Der Verein arbeitet eng mit anderen Initiativen wie der Kitzrettung Gimbsheim e.V. zusammen, um auch größere Flächen wie die Rheinwiesen effizient abzusuchen. Da der Verein auf Spenden angewiesen ist, ist jede Unterstützung willkommen. Auch freiwillige Helfer, die bei den Einsätzen mit anpacken möchten, werden stets gesucht. Die Arbeit der Kitzrettung Rheinhessen e.V. ist ein starkes Beispiel dafür, wie moderne Technik, ehrenamtlicher Einsatz und gute Zusammenarbeit Tierleben retten und Mensch und Natur in Einklang bringen können. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite des Vereins.