Kreisverwaltung stellt LeseLernHilfe für Kinder mit Migrationshintergrund vor

Rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland verlassen die Schule ohne ausreichende Lesekompetenz.

Kreisverwaltung stellt LeseLernHilfe für Kinder mit Migrationshintergrund vor

Lesen, lernen, passgenau fördern: Um die Lesekompetenz zahlreicher Kinder zu stärken, unterstützt die Kreisverwaltung Mainz-Bingen die „LeseLernHilfe für Kinder mit Migrationshintergrund“ der Bürgerstiftung Rheinhessen. Denn Schwierigkeiten beim Lesen sind nicht selten. Grund genug, diesen Defiziten entgegenzuwirken.

„Lesen ist eine grundlegende Voraussetzung, die in zahlreichen Bereichen des Lebens gefordert ist. Die Pandemie bringt Herausforderungen für uns alle mit sich – aber insbesondere auch für Grundschülerinnen und -schüler“, so die Zweite Kreisbeigeordnete Ursula Hartmann-Graham. Kinder mit Migrationshintergrund seien dabei besonders von einem coronabedingten Bildungsrückstand gefährdet. Knapp 30.000 Euro hat die Kreisverwaltung deshalb aus Mitteln der Integrationspauschale für die Umsetzung der Leselernhilfe zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen jeweils 3000 Euro vom Beirat für Migration und Integration und dem Integrationsbeauftragten des Landkreises. Ende des vergangenen Jahres konnte damit das Projekt an den Start gehen.

„Rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland verlassen die Schule ohne ausreichende Lesekompetenz“, führt Fannina Waubert de Puiseau, Projektkoordinatorin der Bürgerstiftung, aus. Deshalb hat sich die Stiftung zur Aufgabe gemacht, Kinder in der sensiblen Leselern-Phase – also in der Regel im 1. und 2. Schuljahr – eine individuelle Unterstützung zu bieten. Konkret werden geschulte ehrenamtliche Leselernhelferinnen und -helfer vermittelt, die in die Schulen hineingehen und mit den Kindern ein- bis zweimal wöchentlich individuell lesen üben. „Dabei geht es sowohl um eine passgenaue Förderung als auch eine soziale Stärkung. Vieles ist Beziehungsarbeit“, betont die Projektkoordinatorin.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Ehrenamtlichen auch pädagogisch geschult sind. Und das gelingt in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule Mainz-Bingen. „Wir stemmen die Fortbildungen. Außerdem organisieren wir Informationsveranstaltungen und stellen über das Online-Portal vhs-Cloud ein Vernetzungsmedium für die Ehrenamtlichen bereit“, sagt die Leiterin Monika Nickels. Schwierigkeiten beim Lesen würden mittlerweile ein großes Problem darstellen. „Wir müssen dafür sorgen, dass kein Kind auf der Strecke verloren geht“. Aktuell seien bis zu 100 Grundschulen in Rheinhessen beteiligt, schätzungsweise 100 bis 120 aktive Leselernhelfer seien derzeit im Einsatz.

Um die bestmögliche Förderung der Kinder zu gewährleisten, spielen die Materialpakete eine wesentliche Rolle. Darin zu finden sind passgenaue Bücher, CDs und Lesespiele, die bei den Lerneinheiten zum Einsatz kommen und ganz auf den jeweiligen Bedarf der Kinder zugeschnitten sind. „Es geht darum, attraktive Hilfsmittel anzubieten, die die Lust zum Lernen wecken“, erklärt Fannina Waubert de Puiseau, die selbst als Leselernhelferin tätig ist. Ob arabisch, persisch, russisch, türkisch oder polnisch: In zahlreichen Sprachen stehen die Hilfsmittel mit jeweils deutscher Übersetzung zur Verfügung. „Ich bin erstaunt, mit wie viel Offenheit mir die Kinder begegnen“, so die Projektkoordinatorin.

Jedoch sei es nicht nur das Ziel, die Kinder mit Unterstützungsbedarf zu fördern. „Die Kinder nehmen die Materialien mit nach Hause. Deshalb hoffen wir, indirekt auch ihre Familien zu erreichen und zum Lernen der deutschen Sprache zu motivieren“, sagt Lale Scherer, die Vorsitzende des Beirates für Migration und Integration des Landkreises. Denn Sprache sei der Schlüssel für eine gelungene Integration. Ein Aspekt, der auch den Integrationsbeauftragten des Kreises begeistert: „Als ich von dem Projekt gehört habe, war mir sofort klar, dass ich mich beteilige“, sagt Stefan Bastiné. Gemeinsam mit dem Beirat wurde finanziell dafür gesorgt, dass die zahlreichen Bücher und Lesespiele beschafft werden konnten. „Aber: Wir müssen dranbleiben. Es gibt auch weiterhin viel zu tun“, appelliert Stefan Bastiné im Hinblick auf das Thema Integration.

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